Beschlussvorlage der Politik (ö) - BV-P-ö/08/0235

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Die Bürgerschaft der Universitäts- und Hansestadt Greifswald beschließt:

 

1. Die Bürgerschaft bekennt sich zum Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald als unverzichtbarem kulturellen und historischen Erbe der Hansestadt und der Region Vorpommern.

 

2. Die Bürgerschaft appelliert nachdrücklich an das Land Mecklenburg-Vorpommern als zuständigen Träger der Universität Greifswald, von einer Schließung des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft Abstand zu nehmen und dessen Fortbestand dauerhaft zu sichern. Die Leitung der Universität wird aufgefordert, das laufende Verfahren zur Nachbesetzung der Orgelprofessur und der Professur für Musikwissenschaften zum Abschluss zu bringen.

 

3. Die Bürgerschaft beauftragt den Oberbürgermeister, gegenüber dem Rektorat der Universität Greifswald, dem Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie gegenüber den zuständigen Landtagsfraktionen die Bedeutung des Instituts als Grundlage der Greifswalder Bachwoche schriftlich darzulegen.

 

4.Die Bürgerschaft bekräftigt die langfristige finanzielle und politische Unterstützung der Hansestadt Greifswald für die Greifswalder Bachwoche und stellt fest, dass der Fortbestand des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft an der Universität Greifswald unabdingbare Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des ältesten Musikfestivals in Mecklenburg-Vorpommern ist.

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Sachdarstellung

1. Die Greifswalder Bachwoche

Die Greifswalder Bachwoche wird seit 1946 jährlich ohne Unterbrechung veranstaltet und ist das älteste Musikfestival Mecklenburg-Vorpommerns. Sie wurde von Kirchenmusikdirektor Hans Pflugbeil und seiner Frau Annelise Pflugbeil gegründet. Trägerinnen sind die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland und die Universität Greifswald; die Hansestadt Greifswald gehört zu den Förderern. Mit jährlich rund 10.000 Besucherinnen und Besuchern sowie mehr als 40 Veranstaltungen besitzt die Greifswalder Bachwoche eine erhebliche kulturpolitische und touristische Bedeutung für die Universitäts- und Hansestadt Greifswald sowie weit über die Grenzen Norddeutschlands hinaus.

 

2. Das Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaft

Das Institut, dessen Wurzeln im Stettiner Kirchenmusikinstitut der pommerschen evangelischen Kirche lagen, besteht seit 1946 in Greifswald. Im selben Jahr wurde auch die Greifswalder Bachwoche gegründet. Seit 1992 ist das Institut Teil der Universität Greifswald. Es bildet Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker aus, betreibt musikhistorische Forschung und trägt die wissenschaftliche wie künstlerische Verantwortung für das Festival. Eine Schließung des Instituts würde die Bachwoche in ihrer heutigen Form gefährden.

 

3. Historische Bedeutung: Kirchenmusik als Freiraum in der DDR

Die Greifswalder Bachwoche und das sie tragende Institut haben in der DDR eine Funktion erfüllt, die weit über den Konzertbetrieb hinausging. Kirchlich-kulturelle Veranstaltungen gehörten zu den wenigen Betätigungsfeldern, die dem direkten Zugriff des SED-Staates entzogen waren. Sie boten Andersdenkenden, Friedensgruppen und Bürgerrechtlern Raum zur Begegnung und zum Austausch.

Der Greifswalder Dom, Hauptveranstaltungsort der Bachwoche, war im Herbst 1989 zugleich Mittelpunkt der Wendegeschehnisse in der Stadt. Die dort abgehaltenen Friedensgebete versammelten im November 1989 zahlreiche Menschen, aus denen sich Demonstrationszüge mit Forderungen nach freien Wahlen und Meinungsfreiheit bildeten. Das Institut für Kirchenmusik hat diese Tradition institutionell getragen und damit zur Kontinuität eines zivilgesellschaftlichen Freiraums beigetragen, der für die Friedliche Revolution und den Weg zur Deutschen Einheit in Greifswald eine wesentliche Voraussetzung bildete.

 

4. Rolle der Bürgerschaft

Die Entscheidung über den Fortbestand des Instituts liegt beim Land Mecklenburg-Vorpommern als Träger der Universität. Die Bürgerschaft kann über den Oberbürgermeister politischen Druck ausüben und als Mitfördererin der Bachwoche ein klares Signal setzen, dass der Erhalt des Instituts Voraussetzung für die weitere städtische Beteiligung am Festival ist.

Der Beschluss hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf den städtischen Haushalt. Eine Änderung der Förderhöhe wäre gesondert zu beschließen.

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Finanz. Auswirkung

Finanzielle Auswirkungen

Nein

 

 

 

Finanzielle Auswirkungen in Folgejahren

Nein

 

 

 

Prüfauftrag an die Verwaltung

Nein

 

 

 

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Auswirkungen auf den Klimaschutz

Ja, positiv

Ja, negativ

Nein

 

 

x

 

Begründung:

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Beschlüsse

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10.06.2026 - Ausschuss für Bildung, Kultur, Universität, internationale Beziehungen und Wissenschaft (BiA) - abgelehnt